Ob es berech­tigt ist, dass Akten im Bun­des­ar­chiv über Jahr­zehn­te nicht ein­seh­bar sind, wage ich lang­sam zu bezwei­feln. Die Fra­ge stellt sich: wer wird damit geschützt, was ist schüt­zens­wert?
Wenn ich mich erin­ne­re, wie der gros­se Held Gene­ral Gui­san in den Fünf­zi­ger- und Sech­zi­ger-Jah­ren ver­ehrt wur­de und in jedem Umzug bei Fes­ten im Küt­sch­li mit­ge­fah­ren wur­de, muss man sich doch fra­gen, ob dies berech­tigt war.

So sehe ich im Moment z.B. in der WOZ:
»Tat­säch­lich hät­ten sich die­se Tore im Kriegs­fall nie für die Bevöl­ke­rung geöff­net. Im Gegen­teil. Am 13. August 1940 hat­te Gui­san sei­nen Trup­pen­kom­man­dan­ten gehei­me Anwei­sun­gen zur Ver­tei­di­gung der Reduit-Stel­lun­gen erteilt. Unter Punkt 28 steht dort:
‘Es ist damit zu rech­nen, dass zahl­rei­che eige­ne und feind­li­che Ele­men­te, unter ihnen Zivi­lis­ten, in gröss­ter Unord­nung sich vor unse­rer Armee­stel­lung ein­fin­den wer­den. Ein sol­ches Durch­ein­an­der soll aber kei­nes­wegs die Feu­er­eröff­nung der Stütz­punk­te der Ver­tei­di­gungs­stel­lung aus­schlies­sen, sogar wenn dadurch für die Uns­ri­gen Ver­lus­te ent­ste­hen soll­ten. In die­sem Fal­le kommt es dar­auf an, sogar unter Opfern die Haupt­auf­ga­be zu erfül­len.’«

Gleich­zei­tig ist nun in den Medi­en die Fra­ge der Wie­der­ab­ga­be der Taschen­mu­ni­ti­on an die Armee­an­ge­hö­ri­gen in die Dis­kus­si­on gekom­men. Die­se wur­de ja 2007 vor allem durch SP-Natio­nal­rä­tin Chan­tal Gal­la­dé bekämpft, weil sie vor allem bei Sui­zi­den und Femi­zi­den zur Anwen­dung kam. Trotz des Ein­zugs der Taschen­mu­ni­ti­on 2007 fehl­ten 2009 noch immer fast 2’000’000 Schuss …

Jetzt soll sie wie­der ein­ge­führt wer­den. So will es die Sicher­heits­po­li­ti­sche Kom­mis­si­on des Stän­de­rats (SiK‑S) — auf­grund der geo­po­li­ti­schen Sicher­heits­la­ge: Ver­trau­en in die Armee, Ver­tei­di­gungs­fä­hig­keit demons­trie­ren, Ver­trau­ens­be­weis an die Ange­hö­ri­gen der Armee, etc.

Ich ken­ne die heu­ti­ge Ver­tei­di­gungs­dok­trin der Schwei­zer Armee bei Angrif­fen von Nor­den nicht. Wenn Sie ähn­lich ist wie zur Reduit-Zeit, bin ich vehe­ment gegen die Abga­be der Taschen­mu­ni­ti­on!
Soll­te sich die Armee sofort hin­ter den Jura zurück­zie­hen, die Wege dort­hin gegen die flüch­ten­de Bevöl­ke­rung ver­tei­di­gen (für die Armee frei­hal­ten), dann käme die­se Muni­ti­on als Ers­tes gegen die flüch­ten­de Bevöl­ke­rung zum Ein­satz.
Und das wol­len wir doch nicht. Oder?

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Kennsch dy Birsfälde? Nr. 29

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