Die erstaun­li­che und wun­der­sa­me Hei­lung des klei­nen Tom­my House war sozu­sa­gen der Pau­ken­schlag für Aber­tau­sen­de wei­te­rer Hei­lun­gen, die durch die Anwei­sun­gen des sich in Trance befind­li­chen Edgar Cayce mög­lich wur­den. Bevor wir uns einer wei­te­ren dra­ma­ti­schen Hei­lungs­ge­schich­te zuwen­den, ist der Hin­weis wich­tig, dass Cayce den gröss­ten Teil sei­ner Trance-Arbeit “für Got­tes Lohn” aus­führ­te und ledig­lich frei­wil­li­ge Spen­den annahm. Das führ­te sei­ne Fami­lie mit den zwei her­an­wach­sen­den Söh­nen Hugh Lynn und Edgar Evans trotz sei­nes Brot­er­werbs als Pho­to­graph mehr­fach in bit­te­re Armut. Die Ver­su­chung, sei­ne beson­de­re Bega­bung zum Geld­ver­die­nen zu benut­zen, lag da natür­lich nahe. Als Cayce wie­der ein­mal in tie­fen Schul­den steck­te, über­zeug­te ihn ein Freund, dass er mit sei­nen hell­se­he­ri­schen Fähig­kei­ten leich­tes Geld ver­die­nen kön­ne. Nach eini­gem Zögern wil­lig­te Cayce ein, einen Ver­such mit Pfer­de­ren­nen-Wet­ten zu unter­neh­men.

Im Rah­men einer Test­vor­her­sa­ge soll Cayce sechs Sie­ger in sie­ben Ren­nen rich­tig genannt haben. Das ein­zi­ge Ren­nen, bei dem er kei­nen Sie­ger genannt hat­te, war eines, von dem Cayce – in Trance – gesagt hat­te, es sei mani­pu­liert und kön­ne nicht vor­her­ge­sagt wer­den. Dickey war von dem Erfolg des Expe­ri­ments so begeis­tert, dass sie mit dem Zug nach Cin­cin­na­ti fuh­ren und die Pfer­de­ren­nen besuch­ten. Dickey stell­te das Start­ka­pi­tal bereit. Dies­mal deu­te­te die Vor­her­sa­ge dar­auf hin, dass nur vier der sie­ben Ren­nen an die­sem Tag nicht bereits mani­pu­liert waren. Dickey setz­te in jedem Fall auf die rich­ti­gen Pfer­de und gewann.

Edgars Anteil am Gewinn reich­te aus, um sei­ne Schul­den zu til­gen. Doch der Preis, den er dafür zahl­te, war höher, als er oder Dickey es sich hät­ten vor­stel­len kön­nen. Die Trance-Lesun­gen konn­ten für jeden, der den Rat igno­rier­te, die Infor­ma­tio­nen auf die leich­te Schul­ter nahm oder sie in einer Wei­se nutz­te, die nicht im Ein­klang mit ihren „Zie­len“ und „Idea­len“ stand, zu einer Büch­se der Pan­do­ra wer­den. Zwei Mona­te nach den Lato­nia-Lesun­gen nahm Dickey eine vor­über­ge­hen­de zwei­jäh­ri­ge Aus­zeit von sei­nen Tätig­kei­ten an der Uni­ver­si­tät, um sich einer psych­ia­tri­schen The­ra­pie zu unter­zie­hen. Auch Edgar litt dar­un­ter, doch der Preis, den er zahl­te, zeig­te sich erst kur­ze Zeit spä­ter, als er ver­such­te, eine Sit­zung für Hugh Evans, Ger­tru­des Bru­der, durch­zu­füh­ren, der sich mit Tuber­ku­lo­se in ein Kran­ken­haus in Texas ein­ge­lie­fert hat­te. Edgar war nicht in der Lage, in Trance zu fal­len. Dr. House ver­such­te wie­der­holt, Edgar in Trance zu füh­ren und eine Sit­zung zu erhal­ten, eben­so wie Lynn Evans, John Blackb­urn und Al Lay­ne. Doch egal, wie sehr sie sich auch bemüh­ten – Edgar bekam ent­we­der Migrä­ne oder schlief ein. Er konn­te weder eine Sit­zung für Hugh Evans durch­füh­ren, noch konn­te er ande­ren hel­fen, die zu ihm kamen, ganz gleich, wie groß ihre Not auch war. Die Quel­le war ver­stummt.

Für Edgar war dies eine kla­re Bot­schaft, dass er dafür bestraft wur­de, dass er sei­ne eige­nen mate­ri­el­len Belan­ge und die ande­rer über das grö­ße­re spi­ri­tu­el­le Wohl gestellt hat­te, das durch die Sit­zun­gen hät­te ent­ste­hen kön­nen. So wie er zu der Über­zeu­gung gelangt war, dass er zuvor sei­ne Stim­me ver­lo­ren hat­te, weil er den Anwei­sun­gen sei­nes Kind­heits­en­gels nicht gefolgt war, glaub­te er nun, dass er „Got­tes Gaben“ ver­schwen­det hat­te, indem er sie falsch ein­setz­te. Und neben den offen­sicht­li­chen Aus­wir­kun­gen, die die Sit­zun­gen auf der Lato­nia-Renn­bahn auf sei­ne Fähig­keit, in Trance zu fal­len, gehabt hat­ten, gab es noch die sub­ti­le­ren Aus­wir­kun­gen, die die Sit­zun­gen auf sein und Ger­tru­des Pri­vat­le­ben gehabt hat­ten. „Mir wur­de klar, dass der Ver­such, sol­che Infor­ma­tio­nen für spe­ku­la­ti­ve Zwe­cke zu nut­zen, eine plötz­li­che, deut­li­che Ver­än­de­rung in mei­nem gan­zen Wesen bewirkt hat­te“, schrieb Edgar. „Mir wur­de klar, dass sich mei­ne Vor­lie­ben und Abnei­gun­gen ver­än­dert hat­ten. Die Gesell­schaft, die ich such­te, war eine ande­re.“ Mit ande­ren Wor­ten: Indem er die Sit­zun­gen für spe­ku­la­ti­ve Zwe­cke nutz­te, wur­de er den Men­schen immer ähn­li­cher, die sol­che Sit­zun­gen in Anspruch nah­men.

Ent­mu­tigt und in der Über­zeu­gung, dass er nie wie­der eine Sit­zung abhal­ten kön­ne, schloss Edgar sein (Pho­to-) Stu­dio in Bow­ling Green, kehr­te nach The Hill zurück und such­te Trost und Zuflucht im Bibel­stu­di­um. „Ich beschloss, all das [hin­ter mir] zu las­sen“, sag­te er spä­ter, „nicht mehr mit … [den Trance-Sit­zun­gen] her­um­zu­spie­len, [ganz] mit den Expe­ri­men­ten auf­zu­hö­ren.“

Jah­re spä­ter, als der Bau eines Spi­tals dis­ku­tiert wur­de, aber die Finan­zen dazu fehl­ten, rück­te ein wei­te­rer Plan zur Beschaf­fung des Gel­des in den Vor­der­grund: die Suche nach ver­gra­be­nen Schät­zen, — ange­sichts der beweg­ten Geschich­te an der Ost­küs­te, wo die Cayces inzwi­schen leb­ten, und der vor­ge­la­ger­ten Insel­welt ein durch­aus rea­lis­ti­sches Unter­fan­gen, wenn man über die ent­spre­chen­den Hin­wei­se ver­füg­te. Tat­säch­lich erhielt Cayce in Trance prä­zi­se Infor­ma­tio­nen, aber immer wie­der ver­lief die Suche im Sand, weil sich Hin­der­nis­se in den Weg stell­ten. So ver­nich­te zum Bei­spiel kurz vor dem Ein­tref­fen der Schatz­su­cher auf den Baha­mas ein Wir­bel­sturm sämt­li­che prä­zi­sen Hin­wei­se, die Cayce erhal­ten hat­te.

Auch eine drit­te mög­li­che Finan­zie­rungs­quel­le brach­te kei­ne Ret­tung: die Suche nach Öl. Ein spä­te­rer Part­ner von Cayce, Dave Kahn, über­zeug­te ihn mit fol­gen­der Argu­men­ta­ti­on:
Für Dave Kahn hin­ge­gen gehör­te die Aus­sicht, Infor­ma­tio­nen aus Tran­ce­zu­stän­den für die Suche nach Öl zu nut­zen, nicht in die­sel­be Kate­go­rie wie deren Aus­nut­zung zum Wet­ten auf Pfer­de­ren­nen oder zum Auf­spü­ren ver­lo­re­ner Schät­ze. Die Nut­zung über­sinn­li­cher Kräf­te zum Wet­ten auf der Renn­bahn oder an Poker­ti­schen lief dar­auf hin­aus, sich einen unfai­ren

Vor­teil gegen­über ande­ren zu ver­schaf­fen. Das­sel­be galt für den Ein­satz über­sinn­li­cher Kräf­te zur Suche nach ver­gra­be­nen Schät­zen. Ver­steck­tes Gold oder ande­re Wert­ge­gen­stän­de gehör­ten nicht unbe­dingt der Per­son oder den Per­so­nen, die danach such­ten. Erd­öl hin­ge­gen gehör­te den Men­schen, denen das Land gehör­te, auf dem es gefun­den wer­den konn­te. Kahn sah nichts Fal­sches dar­an, Men­schen – gegen eine Gebühr – dabei zu hel­fen, es zu fin­den, genau­so wie Edgars Groß­va­ter sei­ne Fähig­kei­ten genutzt hat­te, um Bau­ern bei der Suche nach Was­ser zu hel­fen. (sämt­li­che Aus­zü­ge aus: Sid­ney Kirk­pa­trick, Edgar Cayce, An Ame­ri­can Pro­phet)

Es folg­ten meh­re­re, zum Teil mona­te­lan­ge Ver­su­che, in Gegen­den mit ver­mu­te­ten gros­sen Vor­kom­men fün­dig zu wer­den. Boh­run­gen wur­den durch­ge­führt, doch jedes­mal kam es zu tech­ni­schen Pan­nen — auch durch Sabo­ta­ge.

Offen­sicht­lich war die Infor­ma­ti­ons­quel­le, zu der Cayce in Trance Zugang hat­te, nicht dafür da, sei­ne finan­zi­el­len Pro­ble­me zu lösen …

Fort­set­zung am Sams­tag, den 29. August

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