Der Schriftsteller Sidney D. Kirkpatrick, der über viele Jahre im Edgar Cayce-Archiv forschte und die endgültige Biographie zu Cayce verfasste, schrieb in der Einleitung zu seinem zweiten Buch
“True Tales from the Edgar Cayce Archive”:
Seine Lesungen zu Themen wie gesunde Ernährung und Heilung, Hydrotherapie, Massage sowie dem engen Zusammenhang zwischen psychischer und körperlicher Gesundheit machten Cayce zum unbestrittenen Vater der heutigen ganzheitlichen Gesundheitsbewegung. Auch seine Aussagen zur Weltgeschichte, Physik, Elektrotechnik und Geowissenschaften erwiesen sich als unheimlich treffsicher. (…)
Am überzeugendsten war jedoch, dass Cayce nicht in vagen, mehrdeutigen Begriffen sprach, die Raum für Interpretationen ließen, sondern präzise medizinische und wissenschaftliche Fachbegriffe verwendete, die weit über seine Ausbildung und sein Fachwissen hinausgingen. (Cayce verdiente seinen Lebensunterhalt mehrheitlich mit dem Betreiben eines Photostudios). Zudem vollbrachte er diese übermenschlichen Leistungen nicht nur ein paar hundert Mal im Laufe seiner Karriere. Er gab weit über sechzehntausend Trance-Lesungen, von denen jede einzigartig war und manche dreißig Minuten bis zu einer Stunde dauerten. Bei vielen Gelegenheiten nahmen Professoren von Ivy-League-Universitäten, namhafte Kirchenführer, Bankpräsidenten, Historiker, Ärzte, Erfinder und Wissenschaftler an seinen Trance-Sitzungen teil. Der Meisterzauberer Harry Houdini, der sich der Aufdeckung der betrügerischen Praktiken Hunderter okkulter Medien und Spiritisten verschrieben hatte, scheiterte ebenso wie Hugo Münsterberg von der Harvard Medical School daran, das Cayce-Phänomen zu entlarven oder zu erklären. (dazu später mehr)
Doch selbst das war nicht der Grund, warum das Cayce-Material von größter Bedeutung war. Wie seine Trance-Lesungen deutlich machen, bestand ihr letztendlicher Zweck nicht einfach darin, diagnostische Erkenntnisse zur Unterstützung von Ärzten zu liefern, wundersame Heilungen zu bewirken, verlorene Schätze aufzuspüren oder den Intellekt zu beflügeln. Sie wurden bereitgestellt, um dem Einzelnen zu helfen, die Wahrheit der multidimensionalen Welt, in der wir leben, zu verstehen und zu akzeptieren. Cayce hatte unwiderlegbare Beweise für die Existenz eines Bewusstseins jenseits unserer fünf Sinne geliefert. Sein Werk war eine offene Tür in eine andere Dimension, durch die wir uns selbst und unseren Platz im Universum besser verstehen können.
Es ist deshalb nicht weiter erstaunlich, dass John van Auken, einer der Direktoren des A.R.E., ein Buch mit dem Titel “Edgar Cayce and the Kabbalah” verfassen konnte. Die kabbalistische Glyphe des
Lebensbaums ist wahrscheinlich das profundeste je entwickelte Modell der Schöpfung. Darin erscheint die materielle Welt (Malkuth) als letzte Ebene. Darüber gibt es viele feinstoffliche und spirituelle Ebenen, die ebenfalls voller Leben sind.
Cayce hatte schon als Kind einen Zugang zu diesen Ebenen. So “sah” er über längere Zeit seinen über alles geliebten Grossvater Thomas Jefferson Cayce, der nach einem Sturz von einem Pferd tödlich verunglückt war.
Nicht lange nach der Beerdigung fand sie (seine Tante) ihn allein in der Tabakscheune stehen. Auf die Frage, was er dort tue, erklärte Edgar ganz sachlich, er unterhalte sich gerade mit Opa. Laut Eddy war Opa oft auch draußen auf den Feldern und flüsterte den Landarbeitern zu, um sie an ihre Aufgaben zu erinnern oder ihnen zu erklären, wie man landwirtschaftliche Maschinen repariert. Aber Opa, sagte er, sei manchmal schwer zu sehen. Er erscheine in „Lichtstrahlen“. Wenn Edgar ganz genau hinsah, könne er direkt durch ihn hindurchsehen. (aus: True Tales)
Cayce konnte auch stundenlang in der Natur mit seinen “kleinen Freunden” spielen, die nur er sah, und die verschwanden, sobald sich jemand näherte. Naturwesen?
Die Tatsache, dass er den Inhalt eines Buches wortgetreu gespeichert hatte, wenn er über dem Buch schlief, wurde lange als Fabel abgetan. Aber Cayce konnte noch mehr, — z.B. musste er nur einen ungeöffneten Brief in die Hand nehmen, um zu wissen, was darin stand, — was ihm den Spitznamen “The Freak” eintrug. Doch damit nicht genug:
Als junger Teenager trat Edgar, ermutigt von seinem Vater, der die Talente seines Sohnes zur Schau stellen wollte, vor einem Publikum von vierzig oder mehr Menschen auf, darunter der Bürgermeister des nahegelegenen Hopkinsville und ein US-Kongressabgeordneter. Edgar rezitierte wortwörtlich eine 110-seitige Kongressrede. (aus: True Tales)
Diese Fähigkeiten weckte in seinem äusserst konservativen christlichen Umfeld auch Argwohn: Hatte da der Teufel seine Hände im Spiel? Aber Cayce las schon als Jugendlicher nichts lieber als die Bibel. Und eines Tages hatte er eine Begegnung mit einem Engel.
Dazu mehr in der nächsten Folge am kommenden Samstag, den 11. Juli
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