Ist Trump ein Faschist?
Diese Frage wurde in der letzten Zeit in den internationalen Medien immer wieder gestellt:
Nächster Halt: Faschismus in den USA (Spiegel)
Yes, its fascism (The Atlantic)
America has reached a tipping point on fascism (Guardian)
Is Trumpism a form of fascism? (Le Monde)
Alles halb so wild, denn Weltwoche-Chefredaktor Roger Köppel gibt gottseidank Entwarnung:
Ja, in Deutschland, in einigen hysterischen Kommentaren ist jetzt schon zu lesen, dass der amerikanische Präsident ein Faschist sei und mit faschistischen Methoden eine entmenschte Ausschaffungspraxis durchzustieren hoffe. Ist Trump ein Faschist? Kann man das eigentlich ssgen? Das ist eine Frage, die tatsächlich gestellt wird. Aber diese Frage muss ganz klar mit einem Nein beantwortet werden. (Auszug aus Weltwoche Daily vom 30. Jan)
Woher der Weltwoche-Chefredaktor seine tiefe Überzeugung nimmt? Hier seine Beweisführung:
Wäre er ein Autokrat, wäre er das, was seine Gegner ihm unterstellen, in ihn hineinprojizieren, dann würde er eben nicht so handeln, wie er jetzt gehandelt hat (nämlich einige Hardliner innerhalb des ICE abzuziehen). … Trump, und das unterscheidet ihn eben von einem Autokraten, von einem Strongman, von einem Despoten, von einem Faschisten. Er hat im Angesicht dieser schrecklichen beiden Fälle (die Ermordung von Renee Good und Alex Pretti) Gegensteuer gegeben. Er hat seine Hardliner aus der Schusslinie genommen, aus dem Verkehr gezogen. Christy Noem, auch eine Favoritin von ihm, und dieser Greg Bovino, der unter Trump eben aufgestiegen ist, die sind jetzt plötzlich in den Hintergrund getreten ..
Es ist schwer, angesichts dieser noblen, menschenfreundlichen Geste Trumps nicht eine Träne der Rührung zu unterdrücken!
Aber vielleicht ist es einfach so, dass ein Faschist, der realisiert, dass sich breiter Widerstand regt, einen taktischen Rückzieher macht, um sein brutales Ausschaffungsprojekt, für das er neu jährlich 22 Milliarden $ investiert, mit weniger medialer Aufmerksamkeit weiter durchzuziehen? — Honni soit qui mal y pense …
Es ist halt schon so, meint Chefredaktor Köppel: Wo gehobelt wird, da fallen Späne!
Natürlich macht Trump Fehler, aber interessant ist eben auch: einer der handelt, macht Fehler. Das sind grosse Fehler, die hier unter Umständen passiert sind. “Unter Umständen” — denn laut Köppel waren die beiden Opfer “ziemlich aggressive Protestler”, die für eine “aufgeheizte Stimmung” gesorgt haben und die sich aufbäumen gegen ein im Grunde legitimes Vorgehen der Regierung, nämlich kriminelle Straftäter aus dem Ausland ausschaffen zu wollen. Und da gibt es halt mutmasslich überreagierende und sich strafbar machende Beamte, die armen …
Peinlich, peinlich, wie der Chefredaktor versucht, hier sein Idol gegen besseres Wissen weiterhin in Schutz zu nehmen und den Demonstranten die Schuld in die Schuhe zu schieben. Wie diese angebliche Jagd auf “kriminelle Straftäter” abläuft, hat kürzlich ein Augenzeuge aus Minneapolis geschildert. Das macht alles klar. Man muss es nur zur Kenntnis nehmen wollen. Es geht um die Wiederherstellung eines von weissen, konservativen Männern dominierten Amerikas mit ihren Heimchen am Herd.
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