Kürzlich hielt ein bekannter Schweizer Journalist einen Vortrag, in dem er den Angriff auf den Iran der Amerikaner und Israels kritisch analysiert. Es lohnt sich, seinen Kommentar zur Kenntnis zu nehmen:
Orientiert man sich an der Wertegemeinschaft, am internationalen Recht, an der regelbasierten Ordnung oder aber ist man für die Gesetze des Dschungels? Hauptsache, das eigene Raubtier gewinnt (…)
Wenn jetzt argumentiert wird, hier habe man eine autokratische, eine theokratische Schurkenregierung, die ja tatsächlich schlimm war und Fürchterliches getan hat, jetzt habe man die einfach ausgeschaltet im Sinne eines überragenden Guten, im Sinne der Sicherheit. eine Bedrohung sei da weg und jetzt könne man da eine wunderbare Friedensordnung aufbauen: Es ist ja klar, dass man in Peking, in Moskau, dies sozusagen als potenziellen Angriff auch auf sich selber interpretieren könnte.
Und zweitens lernt man, dass Verhandlungen — und die Amerikaner haben ja mit den Iranern verhandelt, mit Ali Khamenei und seinen Stellvertretern und seinen Abgesandten — dass also auch solche Verhandlungen dich nicht davor schützen, während der Verhandlungen ausgeknipst zu werden, um es jetzt etwas drastisch auszudrücken. Verhandlungen, Abmachungen sind nicht das Papierwert mit den Amerikanern, auf dem sie geschrieben werden. Es ist wie im Wilden Westen, du kannst am Pokertisch gleich abgeknallt werden, wenn der Cowboy nicht einverstanden ist mit dem, was du da machst. (..)
Der Westen zeigt hier sein brutales Gesicht, sein hässliches Gesicht im Umgang mit seinen Feinden. Und es ist schon eine Grenzüberschreitung, eine rote Linie, wenn da das legitime … im Westen verhasste Staatsoberhaupt, Ali Khamenei, einfach ermordet wird, wie ein Drogenbaron in einer Vorstadt von Mexico City, wie bei diesen jüngsten, da auch zu beobachtenden Auseinandersetzungen. Der Iran also nicht als Staat, als anerkanntes Mitglied der Völkergemeinschaft, wenn auch umstrittenes Mitglied selbstverständlich, nein, wie ein Verbrechersyndikat, wie eine Gangsterbande wird jetzt da zugeschlagen.
Im Nahen Osten, ja, die Begründung, man habe den Iran daran hindern wollen, eine Atombombe im Besitz zu nehmen, ist auch eine interessante Begründung. Es gab ja vor einem guten halben Jahr schon einen militärischen Angriff der Amerikaner auf den Iran. Und ich kann mich gut erinnern, als Donald Trump triumphalistisch sagte, jetzt haben wir dieses Atomprogramm ausgeschaltet. Offensichtlich doch nicht. Jetzt muss das wieder herhalten, um hier die Begründung zu liefern für diesen Völkerrechtsbruch, für diese weitere Wegfräsung der Restbestände einer ohnehin schon in Scherben liegenden internationalen Ordnung. Das wirkt doch reichlich hingebogen und erinnert einem fast ein bisschen an jene berühmte Massenvernichtungswaffen, den Colin Powell noch schwenkte vor dem UNO-Sicherheitsrat, als die Amerikaner ihren Angriff auf den Irak rechtfertigen.
Trump kommt da auch in einen ziemlichen Selbstwiderspruch, wobei das ihn nicht sehr belasten wird. Aber wir erinnern einfach daran, dass der gleiche Präsident bei mehreren Wahlen angetreten ist, um die dummen Kriege seiner Vorgänger zu beenden. und es ist auch noch haften geblieben, dass er 2011 in einer Kaskade von Tweets den damaligen Präsidenten Barack Obama verspottete mit der Aussage, jetzt müsst ihr schauen, sicherlich wird Obama bald den Iran angreifen, welche Idiotie, einfach um an der Macht zu bleiben, um wiedergewählt zu werden. Nun, Trump muss nicht wiedergewählt werden, er ist in seiner letzten Amtszeit, Aber im nächsten Winter, Spätherbst stehen Zwischenwahlen an in den USA. Und die Frage ist, ob dieser Militärschlag auch in diesem Zusammenhang zu sehen ist. Es ist auf jeden Fall relativ geringe Zustimmung in den USA. Viele Amerikaner fragen sich, was soll jetzt dieser Krieg im Nahen Osten.
Seit 25 Jahren behauptet man, die Iraner stünden da unmittelbar davor, eine Atombombe zu erwerben, um Israel in die Luft zu sprengen, es ist bis jetzt nicht passiert. Wir haben doch diese Präzisionsangriffe gemacht im letzten Sommer. Die wurden uns als Erfolg verkauft, jetzt also doch nicht. Hier wird Misstrauen gesät und der Verdacht steigt auf, dass es um etwas ganz anderes geht. Nämlich darum, die Vorherrschaft im Nahen Osten zu übernehmen. Raubtierkampf der Reviere um Ressourcen. Und eben jetzt sichert man sich da die Claims, steckt man die Gebiete ab im Nahen Osten unter entsprechender militärischer Druckentwicklung. (…) Das hat natürlich auch das Potenzial, die internationalen Verhältnisse zu vergiften.
Wer der bekannte Journalist ist? — Man höre und staune, es ist Weltwoche-Chefredaktor Roger Köppel auf Daily International, bis dato grosser und unverbrüchlicher Fan des amerikanischen Präsidenten. Es sieht ganz so aus, wie wenn er endlich realisieren würde, wen er da über Jahre hinweg angehimmelt und verteidigt hat. Bleibt nur noch zu hoffen, dass er bald auch das wahre Gesicht Putins erkennt …
Und hier noch ein Link mit einer guten Analyse zur Motivation Trumps im SPIEGEL.
Fortsetzung in zwei Wochen, am 19. März
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HaJott
März 5, 2026
Wenn man das Zitat mit Ihren üblichen Zitaten in dieser Rubrik vergleicht, wird relativ rasch klar: diesmal nicht wirklich ein begabter Schreiberling …
Die Auflösung ist dann allerdings schon verblüffend.
Soviel verspätete Einsicht hätt ich dem Wunderknaben niemals unterstellt.
Jetzt krallt er sich wohl umso vehementer an Putin fest …
(so richtig entkoppelt kann ich ihn mir nicht vorstellen, seufz …)