Fort­set­zung des Doku­ments, das im Herb­st 1977 der Men­schen­recht­skom­mis­sion der UNO in Genf von ein­er iroke­sis­chen Del­e­ga­tion vorgelegt wurde. Ein Kom­men­tar dazu erscheint im August.

Die Vere­inigten Staat­en vertreten den Stand­punkt, dass die Hau de no sau nee im Jahr 1784 zu existieren aufhörten, obwohl das Lang­haus (das tra­di­tionelle poli­tis­che Bünd­nis) bis heute fortbeste­ht. Es gibt reich­lich Beweise dafür, dass alle Natio­nen weit­er­hin an den Angele­gen­heit­en des Großen Rates, dem geset­zgeben­den Organ der Kon­föder­a­tion, beteiligt waren. Keines der Völk­er der Liga hat sich jemals von der Kon­föder­a­tion los­ge­sagt. Die Onei­das, deren ange­bliche Zuge­hörigkeit zu den Vere­inigten Staat­en auf der Exis­tenz von Onei­da-Söld­nern beruhte, entsandten weit­er­hin ihre Delegierten in den Rat, und die Tus­caro­ra blieben fest mit der Liga ver­bun­den. Die Ononda­gas, Senecas, Cayu­gas und Mohawks hal­ten ihre Posi­tio­nen inner­halb der Liga aufrecht. Obwohl die Hau de no sau nee durch die Expan­sion der Vere­inigten Staat­en nach West­en, die anschließende Umzin­gelung ihres Lan­des und die Ver­suche, ihr Volk zum Ver­schwinden zu brin­gen, stark beein­trächtigt wur­den, funk­tion­iert die Sechs-Natio­nen-Föder­a­tion weit­er­hin. Tat­säch­lich nimmt ihre Stärke auch heute noch zu.

Unter dem Vor­wand, dass die Regierung der Hau de no sau nee nicht mehr existiere, nah­men sowohl die USA als auch Großbri­tan­nien ille­gal Ter­ri­to­rien der Hau de no sau nee in Besitz, indem sie ein­fach behaupteten, die Gebi­ete gehörten ihnen. Bis heute hat Kana­da, die ehe­ma­lige Kolonie Eng­lands, nie einen Ver­trag über die Gebi­ete im St. Lawrence Riv­er Val­ley abgeschlossen. Aber die Wahrheit bleibt beste­hen und beschäftigt die Behör­den bis heute. Die Hau de no sau nee-Gebi­ete sind nicht Teil der USA oder Kanadas und waren es auch nie. Die Bürg­er der Hau de no sau nee sind ein eigenes Volk, das wed­er zu Kana­da noch zu den Vere­inigten Staat­en gehört. Aus diesem Grund weigern sich die Hau de no sau nee, eine Gren­ze anzuerken­nen, die von einem frem­den Volk durch unser Land gezo­gen wurde.

Die Poli­tik der Enteig­nung der nor­damerikanis­chen Ure­in­wohn­er, zunächst durch die europäis­chen Kön­i­gre­iche und später durch die Siedler­regime, begann mit dem ersten Kon­takt. Die Enteig­nung erfol­gte auf ver­schiedene Weise: Die so genan­nte “gerechte Kriegs­führung” war eine Strate­gie, bei der die Einge­bore­nen­völk­er als Belei­di­ger der Kro­ne ange­se­hen wur­den und ihre Besei­t­i­gung durch Feuer und Schw­ert gerecht­fer­tigt war. Es fol­gte die Zeit der Verträge, in der die Einge­bore­nen dazu “ver­an­lasst” wur­den, ihr Land zu verkaufen und nach West­en zu ziehen. Zu Beginn des 19. Jahrhun­derts war die Zeit der Ver­tragsab­schlüsse in vollem Gange. 1815 forderte der Gou­verneur von New York die Umsied­lung aller Ure­in­wohn­er aus dem Bun­desstaat zu “ihrem eige­nen Besten”. 

Während der berüchtigte “Trail of Tears die Ure­in­wohn­er aus dem Südosten nach Okla­homa deportierte, set­zte sich der Staat New York 1838 für einen Ver­trag ein, mit dem die Hau de no sau nee, die sich auf dem vom Staat gewün­scht­en Land befan­den, in ein Gebi­et in Kansas ver­frachtet wer­den soll­ten. Die Haup­topfer waren die Senecas.

Wie die Ter­mi­na­tion Pol­i­cy ein Jahrhun­dert später wurde auch die Removal Pol­i­cy schließlich aufgegeben, was zum Teil auf die schlechte Presse zurück­zuführen war, welche die Depor­ta­tion der Chero­kee im Jahr 1832 her­vor­rief. Tausende von Chero­kee-Män­nern, ‑Frauen, ‑Kindern und ‑Ältesten waren während der Umsied­lung Bedin­gun­gen aus­ge­set­zt, die sie an Erschöp­fung, Hunger und Ver­nach­läs­si­gung ster­ben ließen.

Im Jahr 1871 ver­ab­schiedete der US-Kongress ein Gesetz, das eine Klausel enthielt, wonach keine Verträge mehr mit “Indi­an­er­na­tio­nen” geschlossen wer­den soll­ten. Zu dieser Zeit begann die offizielle Poli­tik der Vere­inigten Staat­en gegenüber den Ure­in­wohn­ern mit der Ver­fol­gung ein­er neuen Strate­gie. Rap­porte an den Kongress drängten darauf, die Ure­in­wohn­er so schnell wie möglich in die amerikanis­che Gesellschaft einzugliedern. Die Poli­tik von Feuer und Schw­ert wurde bei einem immer größer wer­den­den Teil der Bevölkerung der Vere­inigten Staat­en immer unbe­liebter. Das Haupthin­der­nis für die Assim­i­lierung der Ure­in­wohn­er war nach Ansicht ihrer laut­starken Befür­worter die indi­an­is­che Land­ba­sis. Das Land der Einge­bore­nen wurde gemein­sam genutzt, was als unzivil­isiertes und unamerikanis­ches Ver­hal­ten emp­fun­den wurde. Die Assim­i­la­tions­be­für­worter ver­trat­en die Ansicht, dass jede indi­an­is­che Fam­i­lie, die ihr eigenes Land besäße, leichter “zivil­isierte” Züge annehmen kön­nte. So ord­nete der Dawes-Act von 1886 an, dass den indi­an­is­chen Völk­ern ihr Land ent­zo­gen wurde, was dazu führte, dass Mil­lio­nen von Hek­tar in europäis­che Hände übergingen.

In der New York­er Leg­isla­tive wurde ständig Druck aus­geübt, die Hau de no sau nee zu “zivil­isieren”. Um dies zu erre­ichen, mussten alle Über­reste der Nation­al­ität der Hau de no sau nee ver­nichtet wer­den. Dies ist der Ursprung der Poli­tik des 19. Jahrhun­derts, die Indi­an­er zu Europäern zu “erziehen”. Man ging davon aus, dass der Indi­an­er, wenn er erfol­gre­ich europäisiert war, nicht mehr eigen­ständig und getren­nt sein würde, und dass es fol­glich kein indi­genes Volk mit eige­nen Bräuchen und eigen­er Wirtschaft mehr geben würde. An diesem Punkt kon­nte der Indi­an­er ein­fach als an die Gesellschaft der Vere­inigten Staat­en oder Kanadas assim­i­liert erk­lärt wer­den. Damit wäre das gesamte Konzept indi­an­is­ch­er Natio­nen hin­fäl­lig, und die Ansprüche dieser Völk­er auf ihr Land wären erloschen. Der Bericht des Whip­ple-Komi­tees an die New York­er Leg­isla­tive im Jahr 1888 war ein­deutig: “Löscht die Stämme aus”.

Im Jahr 1924 “schaffte” die kanadis­che Regierung die Hau de no sau nee-Regierung im Grand Riv­er Gebi­et “ab”. Die Onei­da- und Akwe­sasne-Ter­ri­to­rien wur­den von kanadis­chen Trup­pen über­fall­en und beset­zt, um im Namen der Demokratie neokolo­niale “Wahlsys­teme” zu erricht­en. Eben­falls 1924 ver­ab­schiedete die Regierung der Vere­inigten Staat­en ein Gesetz, das alle Indi­an­er zu Bürg­ern der Vere­inigten Staat­en erk­lärte. Dieser Indi­an Cit­i­zen­ship Act von 1924 war ein Ver­such, die Exis­tenz der indi­an­is­chen Völk­er und die Rechte dieser Völk­er auf ihr Land zu leug­nen. Die Leug­nung der Exis­tenz indi­an­is­ch­er Völk­er ist ein Mit­tel, um die Ansprüche der Kolonis­ten auf das Land zu legit­imieren. Dieses Konzept wird durch die Aufer­legung von nicht-ein­heimis­chen Regierungs­for­men gefördert. Dies dient auch dazu, das Bedürf­nis der Kolonisatoren zu befriedi­gen, jeden Anschein von Sou­veränität zu zer­stören. Der eigentliche Prozess der Land­nahme kann in dem Moment durchge­führt wer­den, wo die indi­gene Nation nicht mehr in ihrem ursprünglichen Kon­text existiert, wenn sie also weniger als eine Nation ist. 

Wenn jed­er Anschein eines ursprünglichen Kon­textes der indi­an­is­chen Nation zer­stört ist, kön­nen Kana­da und die Vere­inigten Staat­en sich einre­den, dass die Inte­gra­tion stattge­fun­den hat. Mit dieser Begrün­dung haben sich bei­de Regierun­gen daran gemacht, ihre endgülti­gen Lösun­gen für das “Indi­an­er­prob­lem” in Kraft zu setzen.

Die Hau de no sau nee-Kon­föder­a­tion hat sich ener­gisch gegen das Staats­bürg­er­schafts­ge­setz gewehrt und beste­ht bis heute auf ihrem Stand­punkt, dass die Bewohn­er des Lang­haus­es keine Bürg­er Kanadas oder der Vere­inigten Staat­en sind, son­dern Bürg­er ihrer eige­nen Natio­nen in der Konföderation.

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