Ein Tele­fon­buch ent­hält eine alpha­be­ti­sche Auf­li­stung aller Abon­nen­ten eines Net­zes, mei­stens gebün­delt nach Kan­to­nen, dazu die zuge­hö­ri­gen Tele­fon­num­mern. Durch die viel­fach ent­hal­te­nen Adres­sen kön­nen Tele­fon­bü­cher auch zur Suche nach Adres­sen genutzt werden.

Wiki­pe­dia ori­en­tiert mich (auf der Recher­che nach Daten) über einen mir bis anhin unbe­kann­ten Tat­be­stand. Zitat:

„Zum Schutz vor wider­recht­li­cher Nut­zung und Wei­ter­ver­kauf der Adress­da­ten, zum Bei­spiel für Mar­ke­ting­zwecke, ent­hal­ten Tele­fon­bü­cher soge­nann­te „Kon­troll­ein­trä­ge“, also Adres­sen von fik­ti­ven Per­so­nen. Damit kön­nen unrecht­mä­ßi­ge Nut­zer der Daten auf­ge­spürt werden.
Wenn bei­spiels­wei­se ein fik­ti­ver Name auch im Tele­fon­buch eines ande­ren Anbie­ters erscheint, ist offen­sicht­lich, dass der ande­re Anbie­ter die Tele­fon­da­ten­sät­ze kopiert hat.“
Juri­sten­fut­ter.

Vor der Libe­ra­li­sie­rung des Tele­fon­mark­tes (in Euro­pa in den 1980er- und 1990er-Jah­ren) war das Tele­fon­buch eine nahe­zu voll­stän­di­ge Auf­stel­lung sämt­li­cher Haus­hal­te, da einer­seits in den 1980er Jah­ren bereits fast jeder Haus­halt über einen Tele­fon­an­schluss ver­füg­te, ande­rer­seits der Ein­trag im Tele­fon­buch für den Anschluss­in­ha­ber ver­pflich­tend war.

Inzwi­schen hat sich der Markt ver­än­dert, so dass sich meh­re­re Wett­be­wer­ber das Mono­pol der Tele­fon­buch­her­aus­ge­ber tei­len. Tra­di­tio­nel­le Fest­netz­an­schlüs­se las­sen sich nach der engen Defi­ni­ti­on der Adres­se am  Ende der Tele­fon­lei­tung zuord­nen. Mobi­le Tele­fon­num­mern sind an den ver­än­der­li­chen Auf­ent­halt des End­ge­räts gekop­pelt und kön­nen daher nur schwer in die bis­lang übli­chen Tele­fon­bü­cher, die auf einem Kan­to­nal­prin­zip beru­hen, auf­ge­führt wer­den. 

Heu­te lässt bereits der Umfang der Tele­fon­bü­cher erken­nen, dass bei wei­tem nicht mehr alle Bewoh­ner eines Kan­tons dar­in auf­ge­führt sind. 

Der Haupt­grund dafür: Vie­le Haus­hal­te besit­zen kei­nen Fest­an­schluss mehr, und dar­um auch kein Tele­fon­buch. Das klas­si­sche Tele­fon­buch gibt es nicht mehr, nur noch loka­le Tele­fon­bro­schü­ren, finan­ziert von orts­an­säs­si­gen KMUs mit deren Inseraten.

Es gab eine Zeit, in der Alt­pa­pier kei­nen Wert hat­te. Es wur­de monat­lich von Schul­kin­dern gesam­melt und die Gemein­de spar­te Abfall­ent­sor­gungs­ge­büh­ren, weil der Haus­mist so leich­ter wur­de. Die­se gespar­te Dif­fe­renz ging an die Klas­sen­kas­sen der sam­meln­den Schü­ler. 

Die Zeit ver­ging und lang­sam wur­de das Alt­pa­pier wie­der zum gewinn­brin­gen­den Roh­stoff. Nicht zuletzt wegen der boo­men­den Ver­packungs­in­du­strie, die glo­bal Pake­te her­um­schickt, von denen die Hälf­te wie­der zurück­ge­schickt wird. Jetzt liess sich mit dem Roh­stoff Alt­pa­pier wie­der Geld ver­die­nen, und, wen wun­derts, stan­den pri­va­te Unter­neh­mer wie­der vor der Tür und woll­ten sich am Geschäft betei­li­gen, bzw, dar­an ver­die­nen. Was frü­her in die Klas­sen­kas­se floss, zu Gun­sten von Lagern oder Rei­sen, floss und fiesst bis heu­te in die Kas­se der pri­va­ten Ent­sor­ger. Zudem sor­tie­ren wir den Roh­stoff vor, bün­deln Papier und Kar­ton gut sicht­bar getrennt. Die­se Vor­ar­beit lei­sten alle zu Gun­sten der pri­va­ten End­ver­die­ner. Was ist noch Papier, was ist schon Kar­ton. 

Wir ken­nen das auch bei der Alt­glass­samm­lung: Ist die­ses Fla­schen­glas braun oder grün? 

Egal, prak­tisch jeder Klas­sen Zug der Mit­tel­stu­fe kam ein­mal in den Genuss, dass die Tele­fon­bü­cher von der PTT aus­ge­wech­selt wur­den. Ich bat dann jeweils die Klas­se, alte Tele­fon­bü­cher zu sam­meln und nicht in den Con­tai­ner zu legen, son­dern in eine vor­be­rei­te­te Kiste. 

Das Tele­fon­buch wur­de zu einem span­nen­den Lehrmittel.
Hier eine Hand­voll Arbeits­auf­trä­ge, an alle Mög­lich­kei­ten kann ich mich nicht mehr erinnern:

Suche die Tele­fo­num­mern aller Mit­schü­ler. Stras­se mit Num­mer. Beruf der Eltern.

Suche die Tele­fon­num­mer dei­ner Eltern, schrei­be die Namen der Abon­nen­ten vor und nach die­ser Num­mer auf. Wes­sen Eltern kei­nen Ein­trag haben: Wo wür­den sie ste­hen? Schrei­be die Namen vor und danach auf.

Schrei­be bei jedem Buch­sta­ben den Namen des ersten und letz­ten Abon­nen­ten auf.

Wäh­le drei Kolleg*innen dei­ner Klas­se und addie­re die Telefonnummern.

Suche einen Namen in dei­ner Gemein­de, der nur ein­mal vorkommt.

Suche den Namen in dei­ner Gemein­de, der am häu­fig­sten vorkommt.

Zur Vor­be­rei­tung der Aus­stel­lung „Schul­wand­bil­der“ im Birs­fel­der Muse­um war ich kürz­lich im Samm­lungs­zim­mer des Ster­nen­feld­schul­hau­ses, auf der Suche nach Requi­si­ten. Dabei such­te ich auch nach dem Sta­pel Tele­fon­bü­cher, in der Hoff­nung mir ein Exem­plar sichern zu kön­nen. Schliess­lich war es ja “mei­ne” Samm­lung. Zu spät, die Nach­kom­men­den Kol­le­gen hat­ten das Alt­pa­pier bereits entsorgt.

Eines der Bücher, das ich nicht mehr her­ge­ben wür­de, so ich noch ein Exem­plar hätte.

Hier fin­den Inter­es­sier­te alle in die­ser Rubrik bereits erschie­ne­nen Beiträge.

 


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