Die zwei Raben

Ich ging übers Hei­de­moor allein,
Da hört’ ich zwei Raben krei­schen und schrein;
Der eine rief dem andern zu:
»Wo machen wir Mit­tag, ich und du?«

»Im Wal­de drü­ben liegt unbewacht
Ein erschla­ge­ner Rit­ter seit heu­te Nacht,
Und nie­mand sah ihn in Waldesgrund
Als sein Lieb und sein Fal­ke und sein Hund.

Sein Hund auf neu­er Fähr­te geht,
Sein Falk’ auf fri­sche Beu­te späht,
Sein Lieb ist mit ihrem Buh­len fort -
Wir kön­nen spei­sen in Ruhe dort.

Du set­zest auf sei­nen Nacken dich,
Sei­ne blau­en Augen, die sind für mich,
Eine gol­de­ne Locke aus sei­nem Haar
Soll wär­men das Nest uns näch­stes Jahr.

Manch einer wird spre­chen: ich hatt’ ihn lieb!
Doch kei­ner wird wis­sen, wo er blieb,
Und hin­gehn über sein bleich Gebein
Wird Wind und Regen und Sonnenschein.«

Theo­dor Fontane

 

 

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